
Sachte berühren die Fingerkuppen das gemaserte Holz. Leise und vorsichtig, schiebt die Handfläche, bis die Tür ein paar Grad Öffnung erreicht.
Kurzer Stopp. Kurzes Nachdenken. Möchte ich tatsächlich sehen was sich hinter dieser Türe befindet? Eine wirkliche Wahl werde ich schlussendlich nicht haben und das ist auch in gewisser Weise gut so. Vielleicht, ja vielleicht, verbirgt sich etwas brauchbares dahinter, eine positive Überraschung, ein neuer Weg. Ein Weg der mich näher an meine schon vor geraumer Zeit angepeilten Ziele bringen könnte. Die Neugier wächst und die Tür öffnet sich ein paar weitere Grad auf der imaginären Skala. Kein Quietschen, kein Knarzen.
Ein weiteres Innehalten. Bilder aus der Kindheit laufen als Film vor mir ab. Sylvesterabende, Feiern, Feuerwerk und sich öffnende Türen , welche bis dahin den Blick auf all die neuen Erfahrungen, all die kommenden Ereignisse, vielleicht sogar einen kleinen Ausblick gen Zukunft, verwehrten. Sie öffneten sich, an jedem Jahresende auf ein Neues.
Nicht selten verbargen sich Veränderungen hinter den Türen. Umzüge in neue Gegenden oder Länder. Reisen. Das Kennenlernen neuer Menschen und Traditionen. Das Erlernen neuer Fähigkeiten. Fehler, als Möglichkeit eigene Schwächen erkennen zu können und daraus zu Lernen. Momente welche die Glückshormone in die Höhe schnellen lassen oder Schicksale.
So ein Jahreswechsel ruft seit jeher ein leichtes Kribbeln hervor, löst Nervosität aus oder Vorfreude auf das, was da kommen könnte. Auch wenn es sich doch eigentlich nur um eine Zahl handelt, ein neues Datum, welches beim Unterzeichnen von Dokumenten in den ersten Tagen nach dem Anbruch eines neues Jahres nicht selten für kleinere Korrekturen sorgt, scheint bereits seit Urzeiten viel mehr dahinterzustecken. Böse Geister werden weggefegt oder durch lautes und grelles Böllern ins Jenseits befördert. Rituale werden vollzogen welche zu mehr Wohlstand, Familie oder Ordnung führen sollen und gefeiert wurde wohl schon immer. Ordentlich und ausgiebig gefeiert. Sei es um dem Erreichten in den zurückgelegten zwölf Monaten und dem daraus resultierenden Glücksgefühl freien Lauf zu lassen, oder aber einen Mantel der Vergessenheit über eben jene Zeitspanne zu legen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Ja, gefeiert wird immer.
Jetzt ist es wieder soweit. Eine neue Türe wird sich öffnen, während sich alte Portale verschließen. Heißt es nicht: Neue Tore öffnen neue Wege?
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Tendenziell ist das wohl genau so richtig, wenn man es denn auch möchte und nicht eine Brille aufgesetzt hat, die den freien Blick auf die neuen Wege, häufig übrigens samt zugehöriger Umwege und Hindernisse, so sehr einengt, das ein immer in die gleiche Richtung verlaufender und bereits recht abgenutzter Schienenstrang daraus wird.
Etwas Eigeninitiative und selbst Motivation gehören sicher mit dazu, als Schmiermittel für die eventuell etwas festgefahrenen Scharniere.
Und da kommt diese Neujahrs Pforte sicherlich gelegen, als kurzfristiges Ziel etwas Neues anzugehen oder Veränderungen vorzunehmen. Aber das mit den guten Vorsätzen ist dann ja auch immer so eine Sache. Wird etwas über Wochen vor sich hergeschoben, mit der ständigen „Ausrede“ es morgen, nächsten Montag, nach dem Geburtstag oder im neuen Jahr, zu beginnen, wird es am Ende wohl ein gutgemeinter Vorsatz bleiben, im besten Fall notiert und als Vorsatz für den nächsten Stichtag genommen.

Nach einer, nennen wir sie „durchwachsenen“ Phase, öffnet sich die Türe nur zögerlich, beim Blick hindurch kullern Schweißperlen vom Haaransatz über die Stirn, die Wangen, den Hals hinunter bis irgendwann am Hosenbund Halt gemacht wird.
Der Körper bewegt sich bereits über die Schwelle, der Geist aber möchte noch nicht ganz so weit vorrücken, begutachtet das Ganze lieber erst einmal aus etwas sicherer Entfernung um dann nach kurzem Schaudern hoffentlich in Kürze erneut durchstarten zu können.
Neue Tore öffnen neue Wege. Nach diesem Motto kann man leben. Positivität kann erlangt und als Charakterzug entwickelt werden.
Eigentlich, wäre da nicht etwas viel größeres, wuchtiges, das als kleiner Kieselstein immer wieder in den Luftspalt zwischen Fußbodenbelag und Tür Unterkante gelangt und ein weiteres Öffnen der Türe verzögert oder verhindert.
Statt neuen Wegen werden nur weitere Türen sichtbar, welche wiederum zu weiteren Türen führen.
Nur wer nicht aufgibt, sich auf die Suche nach den Schlüsseln macht, wird irgendwann auf neuen Pfaden wandeln oder sich zumindest entscheiden können, ob er dieses Neu auch eingehen und verfolgen möchte.
Mögen sich die richtigen Türen öffnen und die sichtbar werdenden Wege keine Einbahnstraßen sein.
Frohes neues Jahr !







