
Langsam, sehr langsam, öffnen sich die Augenlider, versuchen es zumindest. Der Blick ist noch etwas verschwommen auf die diversen Browserfenster meines Laptop. Kaum ist die Information vom Sehorgan an das Gehirn transferiert, ist die Schärfeneinstellung Blitzschnell vollzogen und die Epidermis meiner Fingerkuppen fliegt über die Tastatur, mit einer Leichtigkeit, das Kriminal Labore eventuell Schwierigkeiten hätten verwendbare Fingerabdrücke zu finden.
Glücklicherweise dienen ihre Aktivitäten der Tagesplanung oder besser der Planung der kommenden Stunden.
Die Wind- und Wellenvorhersage ist relativ zügig erledigt und ziemlich eindeutig. Große Wellen sind unterwegs, samt einer vernünftigen Wellenperiode. Nichts riesiges, aber doch ganz ordentlich für die gesamte Nordküste Lanzarotes. Allerdings können die Spots im Nordosten um Orzola, Caleton Blanco oder Caleton Mero sehr gut funktionieren, aber eben auch der Nordwesten von Famara bis La Santa.
Die mittlerweile hellwachen und neuen Synapsen wandern bereits froh hin und her, sodass es nicht schwer fallen sollte zu überlegen, welche Spots bei welchen Gezeiten die besseren Wellen formen dürften. Noch den Sonnenstand überprüft und die Entscheidung ist gefallen: Caleta de Caballo, zwischen Famara und La Santa.
Die Bucht dieses unscheinbaren Dörfchens weist immerhin zwei tolle Spots auf. Direkt vor dem Ort fängt es mit der etwas einfacheren und nicht so gefährlichen (jedenfalls im Vergleich zu den anderen beiden Reefbreaks der Bucht) Left an. Im Hintergrund rollen die teils heftigen Wellenberge aufs nächste Riff um einen wirklich extremen Rechtshänder zu kreieren, die eigentlich nur Locals und jenen mit extremem Können auf der Epoxidplanke und gleichzeitiger Furchtlosigkeit vorbehalten sind. Surfer denen es nichts ausmacht nach einem Wipeout den fast hoffnungslosen Kampf mit den felsigen Giganten in Ufernähe aufzunehmen, nicht ohne vorher noch über das sehr flache Lavariff gezogen worden zu sein. Die Right ist eine der schnellsten und gefährlichsten Wellen und Tubes der Insel.
Day by day galleries
Sollten die Wellen dort nicht so recht gefallen oder einfach niemand auf dem Wasser sein, wartet La Santa gleich um die Ecke. Caleta de Caballo befindet sich unmittelbar nördlich das La Santa Sport Clubs und La Isleta. Selbst Famara wäre nur ein paar Minuten in nördlicher Richtung entfernt.
Nach kurzer Aufwärmphase meines etwas in die Jahre gekommenen Vehikels kann es losgehen. Zumindest die Entscheidung ob mit Teleobjektiv vom Strand oder aus dem Wasser fotografieren wurde mir von meinem Körper abgenommen. Eine nette Erkältung hätte eine Wassersession sicherlich zu einem waren K(r)ampf werden lassen.
Auf dem Weg nach La Santa, einen ersten Blick auf die dortigen Spots würde ich mir sicher nicht entgehen lassen, machte ich kurz in Tao halt. Normalerweise ist dieses kleine hübsche Dörfchen zwischen Mozaga und Tiagua nur Durchfahrtstation. Vor der Ortseinfahrt bietet sich allerdings ein traumhafter Panoramablick auf Famara, samt der dahinter liegenden Insel La Graciosa. Nicht nur bei den heutigen Lichtverhältnissen ein wahrer Genuss.
Auch im Verlauf der weiteren Anfahrt mache ich einen für mich eher unüblichen Stopp. An der Ortsausfahrt von Tinajo Richtung La Santa biege ich rechts nach Cuchillo ab. Es ist schon unglaublich wieviele dieser kleinen, super gepflegten und wirklich netten Dörfer Lanzarote zu bieten hat. Es scheint fast als würden sie immer wieder aus dem Nichts auftauchen, um dann aber zum Verweilen einzuladen.
Von Cuchillo aus breitet sich die Nordwestküste vor meinen Augen aus. Ein herrlicher und informativer Blick auf die Spots La Santas, über den La Santa Sports Club hinweg nach Caleta de Caballo und bis hin nach Famara.
Es sind große Wellen angesagt, nichts riesiges aber eben groß. Daher erstaunt es mich das sich selbst an der Misteriosa vor La Santa in sehr großen zeitlich Abständen Wellen türmen und der Rechtshänder von La Santa, Morro Negro, wirklich richtig groß läuft.
Die knapp zwei Meter Hochwasser, oder besser gesagt Tidenhub bei noch zunehmendem Mond waren jetzt nicht wirklich aussergewöhnlich, trotzdem schien bei Hochwasser einfach zu viel Wasser über den Riffs aufgelaufen zu sein, wodurch keiner der Spots ideal funktionierte und ich eine La Santa Premiere erlebte: Es war niemand auf dem Wasser! An keinem der Spots.
Ich kenne unzählige Reviere, welche bei diesen Bedingungen überfüllt gewesen wären. In La Santa waren die Vortage einfach zu gut zur Krafteinteilung wird heute ausschliesslich die absolut ideale Phase ausgenutzt.

Ein weiterer kurzer Tritt aufs Gaspedal und schon rolle ich den Hügel, die Hauptstraße Caleta de Caballo´s, hinunter. Durch die Häuser lassen sich sowohl die Left als auch Right erspähen. Im Linkshänder befinden sich bereits einige Wellenreiter, obwohl auch hier der Wasserstand noch etwas zu hoch und die Wellen dadurch noch etwas langsam und unorganisiert daherkommen. Ich nehme mir etwas Zeit für eine kleine Ortserkundung. Die ist hier wirklich schnell erledigt. Eine kurze Hauptstraße, zwei drei kleine Gassen die links und rechts abgehen und nur zu den Häusern in zweiter Reihe führen. Erstaunlich ist, wieviele der wenigen Häuser touristisch angeboten werden. Eines haben aber sowohl touristische und die restlichen Wohneinheiten gemeinsam: Lanzarote typisch ist alles in weiß getüncht, nur Fenster- und Türrahmen strahlen in sattem blau, wie für die Küsten bzw. Fischerorte üblich.
Nach einem kurzen zweiten Frühstück ist der Meeresspiegel bereits etwas gesunken, die Wellen sauberer und der Spot deutlich gefüllter.
Zeit meine Kameras aus der Tasche zu holen. An diesen Spots, mit den Wellen direkt vor der Nase, arbeite ich sehr gerne mit einem 70-200 mm Objektiv auf einer Kamera mit Vollformat Sensor und einem 100-400 mm Objektiv auf einer etwas schnelleren Kamera mit APS-C Sensor. Beide Kameras haben an diesem Tag wenig Arbeit zu verrichten. Keine einzige Wolke bedeckt den Himmel. Nur durch die diversen Kamerapositionen muß ich hin wieder die Blende etwas korrigieren da ich bei der Verschlusszeit bei 1/1600 bis 1/2000 bleibe um die teils wirklich gute Action der Wellenreiter vernünftig einfangen zu können.

Die Wellen der Left laufen gut über Kopfhoch und im Hintergrund scheinen die Wellen der Right, bei immer noch zu voller Flut, immer mehr an Fahrt aufzunehmen.
Während mein linkes Auge durch den Sucher fixiert und fokussiert, der Zeigefinger der rechten Hand immer wieder den Auslöser presst, wandert der Blick meines rechten Auges immer häufiger auch auf das Geschen dahinter und je häufiger mir das passiert, umso mehr trieb selbst das Erahnen auf das , was bei Niedrigwasser sowohl dort wie auch um die Ecke in Quemao passieren würde, den Puls in die Höhe und ein ruhighalten der Kamera wurde trotz soliden Stativs immer schwieriger.
Fotografieren würde ich das alles heute leider nicht. Noch ein paar weitere Cutbacks und Bottom Turns einfangen bevor es hiess die Sachen zu packen und mich auf den Weg zurück zur Ostküste, wo etliche Aufgaben meinen Nachmittag fühlen sollten, zu machen. Es hat mich gefreut Caleta de Caballo und beim nächsten Mal bei Niedrigwasser kommen dann auch der Bericht und die Fotos zur Right.








