
Es geht los. Mein erster Fototrip mit Euch. Nach einigen Coaching Videos in meinem Video Kanal komme ich endlich dazu, meine Impressionen aus dem Alltag mit Dir zu teilen. Nicht nur das. Egal ob ich nur ein paar Kilometer mit dem Rad oder Auto, oder längere Strecken per Flugzeug unterwegs bin, es gehen mir ständig unzählige Dinge durch den Kopf, die ich gerne weitergeben würde. Sie wollen einfach raus, die Gefühle über das Gesehene, das Erlebte und wenn ich dabei auch noch einige Tipps, egal ob zur Reise, Plätzen die es sich zu besuchen lohnt, zu Wellenrevieren, Wind, Wetter oder Fotoequipment samt Einstellungen geben kann, umso besser.
Es ist mal wieder zu warm für die Jahreszeit. Zumindest auf den kanarischen Inseln. Wie bereits im Vorjahr suchen uns selbst im Oktober und November Hitzewellen und Kalima Perioden heim. Nicht das ich mich als Ur Canario bezeichnen würde, aber in den paar Jahren, in welchen ich mir das Archipel als neue Heimat ausgesucht habe, kamen die Herbst- und Wintermonate doch gewöhnlich deutlich feuchter und kühler daher. Nicht das ich etwas dagegen hätte immer noch in Shorts und Shirt das Haus zu verlassen und selbst mit nur 2-3 mm Neopren auf und im Atlantik nicht frieren zu müssen. Doch der stetige leichte Ost bis Südostwind dieser Großwetterlage bietet Windsportlern maximal Famara im Nordwesten als Spielwiese. Dort wird der Ostwind am Vulkan de la Corona entlang, die Klippen Famaras hinunter und der Südostwind durch das Tal zwischen Teguise und Soo teils heftigst beschleunigt. Der Wind bläst dann mal mehr und mal weniger böig und heftig gegen die Wellen. Da Famara eigentlich ein Wellenreit Spot ist, der teils auch ziemlich voll wird und der Wind ziemlich ablandig daher kommt, bleibt Famara als Windsurfspot eher recht wenigen vorbehalten.
Du hast mit Wellen und Surfen wenig am Hut? Keine Sorge. Gleich geht es über die Insel.
An den meisten Wellenreit Spots zerbläst der östliche Wind die sauberen Wellensets etwas zu sehr. Allerdings gibt es auch einige Spots, die geradezu auf nördliche Wellenrichtungen mit Süd bis Ostwind zu warten scheinen. Gerade an der Nordostküste von Lanzarote findet man bei dieser Konstellation einige wirklich saubere und teils auch ziemlich kräftige Wellen. Ich komme also endlich zum Punkt und möchte Dir heute Caleton Blanco und nur einige meter nördlich davor liegende Riff Caleta del Mero vorstellen.
Es ist ein bedeckter Morgen im Osten der Insel, aber bei einem zweiten und dritten Blick auf die Wettervorhersage, entscheide ich mich die Boards zu Hause zu lassen und das Fotoequipment ins Auto zu packen. Eine Nacht mit sehr wenig Schlaf vereinfacht diese Entscheidung. Mit halber Kraft in Wellen zu paddeln führt äusserst selten zu einem guten Tag auf dem Wasser. Zudem soll nach und nach die Sonne etwas durch die Wolken brechen und sicherlich kennst auch Du diese ganz besondere Lichtstimmung. Vom Ort Costa Teguise aus steuere ich den nördlichsten Ausgang an, welcher mich an den Vulkanen Montaña de Tinaguache und Montaña Tejida vorbei und zu den Toren Costa Teguises führen wird. Von dort aus geht es auf die LZ-1 Richtung Norden. Mit LZ werden die Hauptverkehrsstrassen der Insel bezeichnet. Die LZ-1 und LZ-2 sind dabei die Hauptverkehrsadern während deren Nebenstrassen und die weiteren Landstrassen zwei-oder dreistellig dargestellt werden.

Bereits in Gedanken an die Wellen im Norden geht es den Örtchen Guatiza, Mala, Arrieta und dem Jardin de Cactus vorbei. All diese Orte lohnt es sich absolut zu besuchen, am Besten auf zwei Rädern und der Jardin de Cactus gehört zu einer der Hauptattraktionen der Insel. Hinter Arrieta muß einmal rechts abgebogen werden, um der nun deutlich enger werdenden LZ-1 weiter Richtung Jameos del Agua bis hin nach Orzola ganz im Norden folgen zu können. Verpasst man den Abzweig geht es ebenfalls nach Orzola, auf der sehr idyllischen und engen LZ-201. Wer noch nie oder selten Lavagestein zu Gesicht bekommen hat, wird auf diesen Strecken nicht aus dem Staunen kommen. Die LZ-1 wird nun zur Küstenstrasse. Am Meer und unzähligen Wellenreitspots vorbei führt sie zum Fischerdörfchen Orzola, von welchem aus auch die Fähre zur Insel La Graciosa ablegt.
Heute geht es am vielleicht berühmtesten Spot Jameos del Agua vorbei bis zum Caleton Blanco. Jameos del Agua ist die erste von Cesar Manrique erschaffene Kunst und Kulturstätte Lanzarotes. Der im Vulkantunnel gelegene natürliche See samt der Höhlen ist definitiv immer einen Besuch wert. Wellenhungrige kennen eher den Parkplatz hinter der Stätte, von welchem aus die Fusswege runter zum Wind- und Wellenreitspot und einer der vielleicht längsten Wellen der Insel führen.
Aber es geht weiter gen Norden. Immense Lava Brocken säumen die Straße. Die zwischen ihr wachsende Vegetation machen die Szenerie zu einem Naturschauspiel. Wie soll man nun inzwischen unzähliger Buchten und immer gleich scheinender Landschaft den richtigen Platz finden. Tatsächlich ist es bei Niedrigwasser etwas einfacher. Dann erscheinen am Caleton Blanco einige kleine Sandstrände, welche in kleine Lagunen mit kristallklarem Wasser übergehen. Doch auch bei höheren Wasserständen sind noch Teile der Sandstrände erkennbar und auf der in nördlicher Richtung linken Seite bietet ein Parkplatz vielleicht zwanzig Autos Platz. Von dort geht es über die LZ-1 zu einer schmalen, steilen, natürlichen Treppe. Solltest Du tatsächlich zum Wellenreiten hergekommen sein, dann halte Dich auf dem schmale Pfad leicht rechts. Bis zu einer sehr kleinen Bucht. Dort ist der Einstieg zum Spot. Vorsicht ist geboten da auch unter Wasser immer noch einige Felsen lauern. Generell sind Riffschuhe hier nicht fehl am Platz, wie an so ziemlich jedem anderen Revier dieser Küste.
Die kräftige Welle läuft länger nach rechts und ebenfalls sehr sauber und teils samt Tube nach links und das alles vor der Atemberaubenden Kulisse des Vulkans La Corona. Für mich kam es wie vorgestellt. Immer wieder blitzte die Sonne für einen Augenblick durch die kleinen Wolkenlücken und sorgten für eine tolle Lichtstimmung. Allerdings war schon einiges an Konzentration nötig um die Finger immer wieder über die Einstellräder und Knöpfe fliegen zu lassen. Während ich bei der Wellenreit Fotografie die Auslösezeit gerne bei 1/2000 lasse, mussten sowohl Blende als auch ISO Einstellungen nicht nur aufgrund des extrem schwankenden Lichts sondern auch der größe der Wellen angepasst werden. Während die kleiner hereinrollenden Wellen eher das Farbspektrum von tiefem blau bis hin zu türkisgrün abdeckten, warfen die großen Sets einen Haufen Weißwasser vor sich her. Soviel weiß auf dunkelblauem Wasser stellt selbst für Kameras mit tollem Dynamikumfang eine Herausforderung dar und erfordert Unterstützung durch den Bediener.
Falls es zu Deinen Plänen gehören sollte, diese Küste ebenfalls einmal zu Fuß erkunden zu wollen, zu fotografieren inklusive einiger Standortwechsel, solltest Du auch ordentliches Schuhwerk an den Füßen haben. Nicht nur unter Wasser haben es das Lavagestein in sich
Für mich war es ein gelungener Vormittag. Auch wenn ich selber nicht auf oder im Wasser war, bin ich doch recht zufrieden mit dem was auf dem Wasser los war. Ein paar mehr Wolkenlücken wären sicherlich nicht schlecht gewesen, aber auf diese Art und Weise gibt es zumindest etwas mehr Vielfalt in den ganzen Galerien. Zudem zeigen die Fotos am Ende eben einfach das wahre Kanaren Wintergesicht. Nur weil das Archipel an über das gesamte Jahr ein Urlaubsgebiet ist, ist das nicht gleichzusetzen mit 365 Tagen Sonnenschein und tollen mediterranen Temperaturen..
Ich mache mich auf den Rückweg, die sandigen Fußpfade entlang und geniesse noch einmal die atemberaubende Landschaft um mich herum. Den Vulkan de la Corona, weiß gesprenkelt mit den immer wieder auftauchenden weißen Fincas. Die Farbübergänge von Süd nach Nord und von der Meereshöhe aus bis hin zur Krone, dem Krater des Vulkans.
Auf der Heimfahrt konnte ich die gesamten Eindrücke erst einmal etwas sacken lassen. Obwohl ich das alles bereits unzählige Male sehen und erleben durfte, ist es einfach immer wieder ein Erlebnis.














