
Die Tatsache das ich sowohl Wassersportler als auch Fotograf bin, macht mir die Entscheidung hin und wieder nicht leicht, ob ich nun Surfboards oder Fotoequipment einpacken soll. Sicherlich geht es Dir häufig sehr ähnlich, vielleicht in anderen Bereichen, aber Entscheidungen treffen gehört nunmal zum Leben wie das Atmen und Essen. Um es mir einfacher zu machen, nehme ich grundsätzlich entweder Kamera oder aber das Sportequipment mit.
Auf diese Weise fällt mir das fokussieren vor Ort leichter. Wenn ich durch den Kamerasucher schaue und eine Welle ablichte die ich auch gerade gerne surfen würde, oder wenn ich zwischen den Wellen im Lineup liege und das Licht für eine atemberaubende Stimmung sorgt, wissend das die Kamera um diese Stimmung einzufangen um sie mit Dir teilen zu können nur wenige meter entfernt im Auto liegt, liesse mich weder auf das Eine noch auf das Andere konzentrieren. Der Spaß auf dem Wasser wäre deutlich reduziert oder die Produktivität hinter der Kamera eingeschränkt.
So weit so gut. Aber wie entscheide ich mich schlussendlich um nicht doch bei schlechtestem Licht nur die Kameraausrüstung oder bei Wellenbedingungen die mir nicht gefallen würden das Auto voller Surf Material bepackt zu haben?
Während ich beim Windsurfen oder Wellenreiten zwei oder drei Vorhersage Seiten aufrufe, Gezeiten studiere, vergleiche, ins Detail gehe und mir evtl. weitere störende Brandungswellen oder Wetterlagen, die den Wind ablenken oder abschwächen könnten, anschaue, geht es für die Fotografie noch mindestens einen Schritt weiter.
Sind Sonnenaufgänge von Vorteil oder an diesem Spot vielleicht sogar störend? Wann ist das erste Licht? Welchen Sonnenstand benötige ich um auch den evtl. tollen Hintergrund, die Landschaft, spezielle Plätze so perfekt wie möglich auslichten zu können?
Ist der ideale Winkel vom Land aus oder besser aus dem Wasser?
Auf diese Art und Weise kann ich schon etwas sicherer sein, nicht komplett falsch zu liegen. Es handelt sich um Natur. Es kann also immer etwas anders kommen als gedacht. Das immense Wolkenfeld, welches sich genau im „falschen“ Moment über den Spot legt, jegliches Licht verschwinden läßt. Das kommt tatsächlich häufiger vor als gewünscht. Daher ist eines immer einzupacken: Geduld.
Geduldig bewegt sich auch das Mikrofasertuch, sanft, genau und effizient. Leichtes Fett verteilt siich über die Dichtungen, die Scheibe des Ports für das Objektiv ist dreifach gereinigt. Jeglicher Staub wird aus dem Gehäuse gepustet und gewischt. Akku? Überprüft. Speichermedium? Eingeschoben und kontrolliert. Einstellungen, Fokuspunkte? Alles mehrfach überprüft und voreingestellt. Das Wassergehäuse wäre bereit. Nehme ich mir aber vor ins Wasser zu springen, um die für mich liebste Perspektive zu nutzen, sehe ich mir auch nochmals sehr genau die Gezeiten und Strömungen an. Bei mehrtägiger gleichbleibender Brandungs- und Windrichtung sind keine wirklichen Überraschungen zu erwarten. Gab es allerdings abrupte Wechsel, sehe ich mir das Wasser vom Ufer aus sehr genau an.
Kenne ich einen Spot überhaupt nicht, fotografiere ich meist am ersten Tag vom Land, was mir die Möglichkeit gibt, die Wasseroberfläche, den Wellenverlauf und auch die lokalen Surfer zu beobachten. All das am besten auch noch bei den unterschiedlichsten Gezeiten.

Es geht also darum sich vorzubereiten. Je genauer ich weiß, was auf mich zukommen kann, was ich zu erwarten habe, umso leichter fällt es richtige Entscheidungen zu treffen. Hole Dir Informationen ein, wenn möglich nicht nur von einer Quelle sondern vergleiche. Bist Du Dir doch nicht sicher? Befindest Du Dich in der Grauzone und kannst mit den Dir gegebenen Informationen nicht so richtig was anfangen?
Erschaffe einen Plan B. Für den Fall, das doch alles etwas anders kommt als gedacht.
Natürlich kannst Du auch einfach nach Gefühl gehen. Das mache ich auch immer wieder. Aber wie zuverlässig ist das?
Hat das Bauchgefühl nicht immer recht? Nicht unbedingt. Auch hier wird es etwas auf Dich selber ankommen. Wieviel Wissen hast Du Dir über Dein Fachgebiet oder das Bevorstehende angeeignet?
Kommt etwas ganz Neues auf Dich zu?
Wie gut fühlst Du Dich vorbereitet, durch Gespräche, Ortserkundungen, Lektüre oder Videos?
Je besser Du Dich auf einem Gebiet auskennst, je besser Deine eigenen Fähigkeiten in einem Gebiet sind, umso größer wird die Chance auf ein zutreffendes Bauchgefühl sein.
Anfangs mag das alles nach etwas Mehrarbeit klingen, aber mit der Routine und erweitertem Wissen und verbesserten Fähigkeiten wird die Vorbereitung immer einfacher fallen, zur Routine werden und die Entscheidungen werden immer häufiger die richtigen gewesen sein.



